Der Himmel – zum Greifen nahe...
Die Wanderung auf dem Großvenediger ...
Angereist aus dem flachen Nordmünsterland, wo die Berggipfel stattliche 200m über nN enden, starteten wir unser Unternehmen: „ Wanderung auf den Großvenediger, Österreichs vierthöchsten Berg Gipfel!“ Es sollten sechs erlebnisreiche Tage werden. Einer schöner und interessanter als der andere, nicht zuletzt, weil wir eine ganz tolle Unterkunft in Neukirchen gebucht hatten. Das Hotel Steiger, wo uns Gretl, Sabine und Sepp am 01.08.2010 ganz herzlich begrüßten.
Ein blitzsauberes 4-Sterne Hotel, mit freundlichem, ja fast familiärem Service. Hier fühlten wir uns von der ersten Minute an wohl – und gut aufgehoben, was unser Wandervorhaben betraf. So hatte der Sepp immer Zeit für uns und unsere Fragen, die er gerne und ausführlich beantwortete. Selbst der Kontakt zur Kürsinger Hütte, unserer Ausgangsposition zur Wanderung auf den Großvenediger, wurde durch ihn sofort hergestellt. So konnten wir mit Emil, dem Chef der Kürsinger Hütte, unseren Aufstiegstermin abstimmen. Er entscheidet ganz alleine, wann der Aufstieg erfolgen kann bzw. wird. Ein kurzes Telefonat – und schon stand fest, dass die Großwetterlage uns nur ein kleines Zeitfenster gab. Also wurde nicht lange diskutiert – sondern der Termin festgezurrt. Am Dienstag, dem 03.08.10 sollte es am Büro der Kürsinger Hütte, in Neukirchen, um 14:15 Uhr losgehen. Mit gepacktem Rucksack, und komplett angelegter Wanderausrüstung....
Gut, dass wir noch den kompletten Montag hatten. So konnten wir uns in dem örtlichen Sportgeschäft- auch ein Tipp vom Sepp, noch die fehlende Ausrüstung besorgen. Mit einem absolut gutem Service, einer hochkompetenten Beratung und qualitativ gutem Material ergänzten wir so unsere vorhandene Ausrüstung.
Natürlich mussten wir uns und unserer Ausrüstung umgehend einem Test unterziehen. So sind wir von Krimmel aus, entlang des gewaltigen Wasserfalls, zum Tauernhaus gewandert. Im Nachhinein eine gute Entscheidung, konnten wir so doch uns akklimatisieren und unsere Kondition überprüfen. Die letzten Tipps zu unserem Unternehmen erhielten wir natürlich vom Sepp, noch am Montagabend, nach dem Abendessen, beim Radler. Hier stellte er uns auch zwei weitere Hotelgäste vor, die gemeinsam mit uns auf den Großvenediger wollten.
So konnte sie starten, die Seilschaft : „Hotel Steiger“, mit Petra, Dorit, Heinz-Jürgen, Ernst, Karl und Hans. Der Taxitransfer, ins Obersulzbachtal, zur Talstation der Materialseilbahn, wo wir unsere Rucksäcke abgeben durften und unseren Aufstieg zur Kürsinger Hütte, in 2.555,00 m Höhe, begannen, zeigte uns die Wildheit der hiesigen Bergwelt. Für uns „Flachlandtiroler“ schon ein sehr beeindruckender Anblick.
Mit unserem Bergführer Christian nahmen wir dann den Aufstieg zur Hütte in Angriff, immer noch bei leichtem Regen – aber angenehmen Temperaturen, um nach 90 Minuten die Kürsinger Hütte zu erreichen.
Nach kurzer Begrüßung durch den Hüttenwirt, Emil Widmann, verstauten wir unser Gepäck in unseren Zimmern. Christian, unserer Bergführer wartete schon auf uns, damit jeder seinen Gurt und seine Steigeisen individuell angepasst bekam und wir uns damit vertraut machen konnten. Danach wurde der Rucksack für den Aufstieg gepackt. Beim anschließenden Abendessen redeten alle über den kommenden Morgen und die weitere Entwicklung des Wetters. Mittlerweile regnete es Bindfäden.
Es sollte eine unruhige Nacht folgen, getragen von der Ungewissheit, wie der kommende Tag verlaufen würde. Sind wir genügend vorbereitet in dieses Abenteuer gegangen? Haben wir die Kondition für 9-10 Stunden Bergwanderung, davon allein 7-8 Stunden über den Gletscher? Spielt das Wetter mit.. ?
Gegen vier Uhr in der Früh hatten diese Gedanken ein Ende. Unser Handy hatte uns geweckt! Sofort schoben wir die Gardinen beiseite, um nach dem Wetter zu sehen. Funkelnde Sterne und ein leuchtender Mond, bei Temperaturen um 0 Grad Celsius ! Super, ein Wetter wie bestellt ! Jetzt noch die richtige Kleidungswahl, bloß nicht zu warm einpacken – aber bedenken, dass wir als Seilschaft gehen und nicht beliebig unsere Kleidung wechseln können. Auf geht´s zum Frühstücken! Noch schnell warmen Tee in die Thermosflasche und diese in den Rucksack. Warmer Tee ist besser als Wasser, so hatte ich den Rat unseres Bergführers, Christian, noch im Gedächtnis.
Vor der Hütte warteten schon alle anderen ungeduldig, sodass es, nach einem kurzen Check durch Christian, losgehen konnte. Er voran, wir alle dahinter. Es war genau: 05:28 Uhr!! Nach gut einer Stunde erreichten wir das erste Schneefeld, am Rande des Gletschers. Die Sonne war gerade aufgegangen und tauchte Wolken und Berggipfel dieser Region für wenige Augenblicke in ein goldenes Licht.
Am Fuße des Gletschers wurde es dann ernst. Die Seilschaft „ Hotel Steiger“ legte ihre Steigeisen an und wurde vom Christian mit einem Seil „verbunden“......
Einem Uhrwerk gleich, Schritt für Schritt, bohrten sich Christians Schuhe in den leicht angefrorenen Schnee des Gletschers – und wir stapften hinterher. „Das Seil stramm halten! Achtung - Gletscherspalte“, kamen Christians Anweisungen von vorne. Begeistert vom Anblick der aufgehenden Sonne, dem glitzernden Schnee des Gletschers und dem atemberaubenden Blick auf unser Ziel, dem Gipfel des Großvenedigers, mit seinen 3.674 m Höhe, ließen uns zunächst die Anstrengungen ertragen. Stetes aufwärts gehen, in mittlerweile 3.000 Höhe, bei weicher werdendem Schnee und Gletschereis, zerrten doch mächtig an unserer Kondition. So gab es jetzt schon öfter ein kleines Päuschen, mit warmem Tee und leckerer Schokolade. Diese Pausen mussten sein, wollten wir unser Ziel gemeinsam erreichen. Die letzten 150 Höhenmeter bis zum Gipfelkreuz konnten wir nur als Teamplayer überstehen. Den Blick hochkonzentriert auf den Boden gerichtet, die Fußstapfen des Vordermannes suchend, stampften wir Meter für Meter dem Gipfel entgegen.
Plötzlich verflachte unser Weg zunehmend, der Gipfel schien erreicht, der Großvenediger bezwungen. Doch das Gipfelkreuz, noch etliche Meter von uns entfernt, war nur über einen schmalen Grad aus Eis und Schnee zu erreichen. Beiderseits ging es einige hundert Meter senkrecht abwärts. Kein Geländer, kein Halteseil in Sicht…
Sicher ging unser Bergführer voran und wir stapften mutig hinter ihm her, über diesen schmalen Grad bis zum Gipfelkreuz, unserem eigentlichen Ziel, in 3.746 m Höhe. Es war genau: 10:46 Uhr. Wir hatten den Aufstieg in 5 Stunden und 18 Minuten geschafft.
Wie weggeblasen waren die Strapazen und Qualen der letzten Stunden, vergessen die Frage bei jedem Schritt“ Warum tun wir uns das nur an“! Ein sehr emotionaler Moment für jeden von uns, getragen vom herrlichen Ausblick auf die umliegenden Gipfel, hin bis zum höchsten Berg Österreichs, dem Großglockner. Natürlich kam auch ein wenig Stolz in uns auf, ob der bis hierhin absolvierten Energieleistung und freuten uns sehr über die Glückwünsche Christians, der mit einem“ Berg Heil“ uns alle per Handschlag zu unserer Leistung gratulierte.
Unsere Freude schien die Sonne mit uns teilen zu wollen. Keine Wölkchen hatte Sie bisher daran hindern können, uns auf unserem beschwerlichen Weg zu begleiten, für einen fantastischen Ausblick zu sorgen und unsere Haut zu bräunen, mehr als uns lieb sein konnte, wie wir später feststellen sollten.
Nun war es an der Zeit, den Rückweg anzutreten, so Christian. Immerhin warteten noch gut vier Stunden Abstieg, bis zur Kürsinger Hütte, auf uns, davon mindestens drei über mittlerweile aufgeweichten Schnee. Nach einer weiteren kleinen Pause mussten wir dann ja auch noch den Weg von der Hütte zur Talstation gehen, was ca. 1,5 Std. dauerte. Unsere Kräfte ließen Schritt für Schritt nach, die Gletscherspalten erwiesen sich jetzt als kleine Hindernisse, die zu überwinden waren. Nur gut, dass jeder von uns kleine Leckerlis im Gepäck hatte und wir so, mit Mars, Snickers, Müsli-Riegel oder Ähnlichem, unsere Energiereserven auffüllen konnten.
Vom Ende des Gletschers bis zur Kürsinger Hütte war es dann nur noch ein Katzensprung. Wir staunten schon sehr über unsere Energieleistung, freuten uns auf die wohltuende Dusche in der Hütte, eine kleine, stärkende Suppe, eine Apfelschorle – oder ein großes Radler. Jeder ließ sich so von seinen Träumen die letzten Kilometer tragen, über kleine Schneefelder, kurze Anstiege, um dann doch endlich, nach der letzten Biegung, vor uns liegend die Kürsinger Hütte zu erblicken bzw. zu erreichen. Wir hatten es geschafft! Wir, die „ Seilschaft Hotel Steiger“ und, vor allem wir vier Flachlandtiroler aus dem nördlichen Münsterland.
An der Hütte wartend, begrüßte und beglückwünschte uns der Emil. Wir fielen uns in die Arme. Bedankten uns bei jedem – vor allem aber bei einem: unserem Bergführer, dem Christian.
Um 16:30 Uhr verließen wir die Kürsinger Hütte, um die letzten 90 Minuten des „Wanderabenteuers – Großvenediger“ zu absolvieren. Nachdem wir per Taxitransfer in Neukirchen das Büro der Kürsinger Hütte erreicht hatten, gab es für jeden aus der Seilschaft eine Urkunde und ein T-Shirt. Jetzt konnten wir es konkret belegen und aller Welt zeigen, selbst auf dem Gipfel gewesen zu sein.
Bei unserer Rückkehr in das Hotel Steiger wurde unsere kleine Seilschaft aufs Herzlichste begrüßt. Gretl, Sabine und der Sepp gratulierten jedem und luden uns zu einem kleinen Erdbeerschnaps ein, mit den Worten: „ Den habt’s ihr Euch verdient!“
Wir Münsterländer werden diese Wandertour niemals vergessen und freuen uns schon auf das nächste Jahr. Vielleicht versuchen wir´s ja noch ein Mal…….
Autor: Hans Dittrich

